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Frankreich : Ein Vorbild
für Deutschland ? Ein Vergleich wirtschaftspolitischer Strategien mit und ohne
Mindestlohn NR
G. A. Horn und alii,
Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Düsseldorf, Report, n° 31,
September, 25 p., (2008).
Kurzbeschreibung
: In Deutschland wird im Kontext der Diskussion um Mindestlöhne häufig der
Eindruck erweckt, dass die französische Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wegen
zu hoher Mindestlöhne von Arbeitslosigkeit und Jobverlusten gekennzeichnet sei.
Untersucht man jedoch die französische Wirtschaftsentwicklung genauer, lässt
sich dieses Urteil nicht halten. Denn Frankreich hat es geschafft, trotz oder
wegen einer stabilen Lohnentwicklung und ohne drastische Einschnitte in die
sozialen Sicherungssysteme seit Beginn der Wahrungsunion insgesamt stärker zu
wachsen als Deutschland. Im Ergebnis war der Zuwachs an Beschäftigung größer und
der Rückgang der Arbeitslosigkeit kräftiger. Dies ist auf unterschiedliche
wirtschaftspolitische Strategien zurückzuführen. Während in Frankreich viel Wert
auf den Erhalt einer binnenwirtschaftlichen Dynamik gelegt wurde, stand für die
Wirtschaftspolitik in Deutschland immer im Vordergrund, die Exportperformance
mittels erhöhter Wettbewerbsfähigkeit durch Lohnmoderation zu verbessern. Die
dynamischere Binnennachfrage in Frankreich wurde durch eine gleichmäßigere
Verteilung der Einkommen als in Deutschland unterstützt. Dies wurde durch einen
Mindestlohn und eine ausgeprägte allgemeine Arbeitszeitverkürzung bei einer
staatlichen Flankierung durch Kombilöhne erreicht. Die bessere Performance
Frankreichs zeigt, dass Beschäftigungsaufbau nicht mit Lohnmoderation
einhergehen muss.
Summary : In the
discussion about minimum wages in Germany it is often suggested that the French
labour market is characterised by high unemployment and job losses due to high
minimum wages. But this opinion is not confirmed by an in depth analysis. Since
the start of the monetary union economic growth in France has been higher than
in Germany, while the French wage share has remained stable and no harsh reforms
in the welfare system where implemented. France exhibits stronger employment
growth and higher reduction of unemployment. This is mainly the result of
different growth strategies. While France focused on stabilising internal demand,
Germany was promoting export growth and international competitiveness through
wage moderation. A stable income distribution supported the dynamic internal
demand in France. The successful combination of minimum wage, working time
reduction and wage subsidies for low-paid workers shows that job creation need
not be accompanied by wage moderation.